Baukulturgemeinden 2021

Feldkirch – G’scheite Bodennutzung
Preisträgerin / Vorarlberg

Es ist beachtenswert, wie konsequent die Stadt Feldkirch (Vorarlberg) eine Innenentwicklung mit hoher Dichte forciert. Obwohl die rund 37.000 Einwohner*innen-Stadt laufend Zuwachs bekommt, meidet man den Bau auf der grünen Wiese wie beim neuen Mondforthaus. Stattdessen werden bestehende Areale wie beispielsweise der Bahnhof, die alte Spinnerei der Firma Hämmerle oder der ehemalige Bauhof der Firma Hilti & Jehle weiterentwickelt. Auch auf Mobilitätsfragen findet Feldkirch durchwegs innovative Antworten. Löblich sind zudem die großen Grundstücksreserven für die Zukunft, die im Interesse der Allgemeinheit geschaffen wurden. Bodenpolitik wird in Feldkirch also vorrausschauend betrieben.

Göfis – schaut aufs Dorf
Preisträgerin / Vorarlberg

Die Gemeinde Göfis, unweit von Feldkirch, hat rund 3.500 Einwohner*innen. Sie zeichnet sich besonders durch die aktive Rolle der Bürger*innen in der Gemeindeentwicklung aus. So beginnt Baukulturvermittlung hier bereits bei den Kindern. Der Fokus liegt auf dem Ortskern, den die Gemeinde identitätsstiftend und mit Qualität entwickelt. Dem Vereinshaus, dem Schauplatz „Obst & Garten“,  dem autofreien Dorfplatz und dem „bugo” mit Bibliothek und Café fallen hier zentrale Rollen zu. Raumplanung wird in Göfis ernst genommen. Die Grenzen der Siedlungsentwicklung werden aktiv gesetzt, im Kern wird verdichtet und das Bauen im Bestand forciert. Selbst bauliche Kriterien wurden festgelegt.

Mödling – Historie und Zukunft im Blick
Preisträgerin / Niederösterreich

Die Nähe zu Wien und zum Wienerwald machen Mödling zu einer besonders attraktiven, aber teuren Stadt. Sie hat 24.000 Einwohner*innen, davon ist ein beträchtlicher Anteil über 65 Jahre alt. Leistbares Wohnen für junge Menschen zu ermöglichen, ist ein großes Thema. In der Vergangenheit widmete Mödling konsequent kein zusätzliches Bauland, ging mit zu bebauenden Flächen sehr sorgsam um und blieb dem Gartenstadt-Konzept treu. Altes wird erhalten und Neues mit Bedacht und unter Einbindung der Bevölkerung und externen Gestaltungsbeirät*innen entwickelt. Außerdem schreckt Mödling nicht davor zurück, versiegelte Flächen wieder zu entsiegeln und versucht das Prinzip der Schwammstadt im öffentlichen Raum umzusetzen.

Thalgau – Mutiges und ideenreich
Preisträgerin / Salzburg

Thalgau ist mit seinen fast 6.000 Einwohner*innen kein Dorf mehr. Das Urbane lässt grüßen. Auf der guten Lage mitten im Grünen und unweit von Salzburg möchte man sich hier aber nicht ausruhen. Die Marktgemeinde hat viele engagierte Leute für die Mitarbeit gewonnen und zukunftsweisende Lösungen im öffentlichen Raum geschaffen. Besonders mutig ging Thalgau mit der scheinbar unlösbaren Verkehrssituation um. Dort wo früher täglich rund 8.000 Fahrzeuge durch den Ortskern brausten, entstand ein fehlender Dorfplatz mit Aufenthaltsqualität. Zudem wurde die verlegte Landesstraße in eine „gelbe“ Begegnungszone mit Tempo 30 verwandelt. Projekte werden in Thalgau bodensparend und mit hoher Nutzungsflexibilität umgesetzt – so auch das verdichtete Bauvorhaben auf den Sagergründen und die multifunktionale Volksschule.

Andelsbuch – Miteinander und füreinander
Anerkennung / Vorarlberg

Andelsbuch in Vorarlberg findet maßgeschneiderte Lösungen für die Bedürfnisse seiner Bewohner*innen – mit hoher Umsetzungsqualität. Die Anlage „Wohnen Hof“ mit 35 Einheiten inkl. betreutem Wohnen ist als Alternative zum Einfamilienhaus ein außerordentliches Beispiel für einen 2.800 Einwohner*innen-Ort. Das Vereinsleben und die Kultur sind spürbar – besonders im sanierten Bahnhof, einer Leerstandaktivierung. Der Werkraum Bregenzerwald, eine Kooperation von Handwerkern, hat mit dem Werkraumhaus in Andelsbuch einen Vermittlungsort für Handwerk geschaffen, der weit über die Region hinaus strahlt.

Innervillgraten – Alte Höfe neu gedacht
Anerkennung / Tirol

Der Erhalt der Kulturlandschaft und sanfter Tourismus sind den Menschen in Innervillgraten in Osttirol ein großes Anliegen. Da die steilen Hänge hier den Raum zum Bauen begrenzen, wurde es für die Nachkommen der fast 1.000 Einwohner*innen immer schwieriger, zeitgemäßen Wohnraum zu finden. Gleichzeitig stellte sich die Frage nach der Nachnutzung leerstehender Höfe immer stärker. In hoher handwerklicher Qualität sowie mit lokalen Materialen und in vielfältigen Formaten begann die Gemeinde alte landwirtschaftliche Bausubstanz wieder zu beleben und Besitzer*innen leerstehender Bauernhäuser zu einem Umbau zu inspirieren. Neues Wissen wurde in Form von Studierenden-Gruppen oder der Leerstandskonferenz ins Tal geholt.

Nenzing – zum Wohle der Gemeinschaft
Anerkennung / Vorarlberg

Die Marktgemeinde Nenzing mit nahezu 6.800 Einwohner*innen bemüht sich aktiv um Verdichtung im Ortskern und eine zentrumsnahe Versorgung für ihre Bürger*innen. Als eine der ersten Gemeinden Österreichs hat Nenzing eine Gemeinwohlbilanz erstellt und wurde im Jahr 2017 zertifiziert.  Sie unterstreicht damit ihren hohen Anspruch an ihr kommunales Handeln. Eine sorgfältige Bodennutzung findet sich in vielen verschiedenen Projekten – von der Siedlungsentwicklung bis zur Generationenmeile. Zudem lebt die Vorarlberger Kommune eine enge Zusammenarbeit in der Region und setzt interkommunale Projekte um. Dazu zählt auch das Walgaubad, das gemeinsam mit 13 Gemeinden des Walgaus entstand.

Trofaiach – Zurück ins Zentrum
Anerkennung / Steiermark

Im steirischen Trofaiach gilt es der Abwanderung und dem Ortskernsterben entgegenzuwirken. Die rund 12.300 Bürger*innen sind eingeladen, die Zukunft des Ortes mitzugestalten. Unter professioneller Anleitung entstand ein Masterplan mit einer Fülle an Maßnahmen für die Zukunft. Mutige, übertragbare, kostengünstige und schnell realisierbare Aktionen wurden bereits gesetzt und ein Kümmerer beschäftigt, der hauptberuflich die Belebung des Zentrums betreut. Trofaiach verknüpft seinen Ort dank attraktiver Mobilitätsangebote mit dem Umland und beschreitet den Weg der Stadtentwicklung mit großem Enthusiasmus.